Schloss Neersen: Allianzwappen in neuem Glanz

Foto: Stadt Willich

Die Plane ist weg, das Gerüst auch. Und zum Vorschein gekommen ist zum einen die fenstertechnisch generalüberholte Schlossfassade, zum anderen aber eben auch das in neuem Glanz strahlende Allianzwappen im Giebel des Schlosses Neersen – schön wie lange nicht mehr.

Was letztlich auch Corona geschuldet ist: Der bedauernswerte Ausfall der Schlossfestspiele machte es nämlich möglich, die Fenster in der Front des Schlosses zu bearbeiten. Das dazu notwendige Gerüst hätte sich auf der Bühne dramaturgisch nur bedingt gut gemacht. Keine Festspiele, keine Bühne – dann eben das Gerüst zur Fensterrenovierung. Und wo das Gerüst schon stand, nahm man sich auch gleich des Wappens im Giebel fachkundig an.

Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. Und die Löwen, deren prächtiges  Gebiss nun auch wieder von unten mit bloßem Auge zu erkennen sind, glänzen mit den güldenen Teilen Wappens quasi um die Wette. Wie Stadtarchivar Udo Holzenthal zu berichten weiß, ließ übrigens kein Geringerer als Graf Ambrosius Franz Friedrich von Virmond zwischen 1720 und 1727 im Dreiecksfeld des Mittelbaus von Schloss Neersen das Allianzwappen gestalten, das – von zwei Löwen gehalten – die Wappen der Familien Virmond und Bentheim-Tecklenburg zeigt. Am 25. November 1705 hatte Ambrosius Franz, zu diesem Zeitpunkt noch Freiherr, die Gräfin Eleonore von Bentheim-Tecklenburg geheiratet. Die Verbindung mit einem reichsständischen Adelsgeschlecht aus dem westfälischen Uradel sollte dem Haus Virmond den Weg in den deutschen Hochadel ebnen, so der Willicher Archivar: „Das Allianzwappen ist ein ganz offensichtliches Zeichen für den Anspruch und die Ziele des ehrgeizigen Herren von Schloss Neersen.“

Doch die Ehe stand, wie man weiß, unter keinem guten Stern: die vier gemeinsamen Kinder starben allesamt früh. Um den Tod des dreijährigen Prinzen Johann Ludwig rankt sich bis zum heutigen Tag die Legende, dass er beim Versteckspiel in einer Kiste jämmerlich erstickt sei – und sein Geist noch Jahre später durch das Schloss gespukt habe. Gräfin Eleonore, so Holzenthal,  starb nach langer Krankheit 1727 im Alter von nur 40 Jahren. Graf Ambrosius errichtete für Frau und Kinder ein bemerkenswertes Grabmal, das noch heute in der Neersener Pfarrkirche zu sehen ist. In der Inschrift verlieh er dann auch seinem Kummer Ausdruck: “Der Marmor hat Tränen. Weine auch du, Wanderer, wenn du nicht härter sein willst als der harte Marmor.”

Zurück in die Gegenwart: Die Fachfrauen der Duisburger Steinmetzbetriebe Berns haben jetzt jedenfalls am Allianzwappen auch mit Blattgold ganze Arbeit geleistet – wovon die zwischenzeitlich auch Willichs Bürgermeister Christian Pakusch in luftiger Höhe ein persönliches Bild gemacht hatte. Und  so werden die beiden Löwen in der nächsten Zeit prächtig sauber vom Schlossgiebel auf Schlosshof und ins Land schauen – und im kommenden Sommer hoffentlich auch wieder auf Festspiele, Zuschauer und jede Menge Theater.