Tönisvorst: Stifte, Papier und die Kreidetafel sollen in Schulen verschwinden

Stifte und Papier und die Kreidetafel sind verschwunden. Stattdessen eine digitale Tafel: Wie das Klassenzimmer der Zukunft schlussendlich aussehen wird, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Aber die Stadt Tönisvorst ist als Schulträger mit der Digitalisierung an den Schulen so weit, dass bereits moderne Präsentationstechniken angeschlossen werden können. Hier ein Sachstand zu diesem Thema in der Apfelstadt.

Strukturierte Verkabelung in allen Schulen

Um den künftigen Einsatz aller denkbaren Endgeräte und Arbeitsplattformen ermöglichen zu können – je nach didaktischem Medienkonzept und Entscheidung der jeweiligen Schulen, hat die Stadt Tönisvorst als Schulträger als aller Erstes in den letzten drei Jahren eine leistungsfähige digitale Infrastruktur geschaffen. 1,5 Millionen Euro wurden dafür in die vier Grundschulen und die beiden weiterführenden Schulen gesteckt. Verwendet wurden dafür Mittel aus dem Förderprogramm “Gute Schule 2020“.

Wie sieht „digitale Infrastruktur“ konkret aus? Allein 20,4 Kilometer Netzwerkkabel wurden verbaut. Davon kommen physisch in den einzelnen Klassenzimmern je zwei Netzwerkdoppeldosen an. Zusätzlich zu den 20,4 Kilometer Netzwerkkabel wurden zuvor noch insgesamt 2,2 Kilometer Glasfaserkabel von den Serverräumen zu den einzelnen Etagen gelegt, um Schnelligkeit in zu gewährleisten. Damit ist grundsätzlich ein Netzwerk angelegt, das zum einen für den Dauerbetrieb und zum anderen für große und stetig wachsende Netzwerke ausgelegt ist. 2018 wurden die ersten zwei Grundschulen ausgestattet, 2019 die beiden weiteren Grundschulen und 2020 die weiterführenden Schulen. Hier finden aktuell noch die Restarbeiten an der Serverstruktur und der WLAN-Ausleuchtung statt.

Erster Klassensatz an Tablets für die Grundschulen zum Schulanfang 2020

Alle Grundschulen haben im Anschluss an die strukturierte Verkabelung einen ersten Klassensatz mobiler Endgeräte – Tablets – erhalten. Insgesamt je Grundschule einen Satz mit 16 Geräten (15 Schüler*innen und 1 Gerät für das Lehrpersonal).

Mobiles Device Management

2020 wurde zudem ein „Mobile Device Managementsystem“ aufgebaut. Damit kann die IT sämtliche mobile Endgeräte an den Schulen an den Schulen – aber auch die künftigen Endgeräte – aus der Ferne warten.

Software für Distanzunterricht eingerichtet

Im Sommer 2020 wurde – auf Wunsch und in Absprache mit den Schulen – eine Software für das Lernen auf Distanz angeschafft. Damit kann nicht nur Unterricht in Form von Video-Konferenzen durchgeführt, sondern auch Unterrichtsmaterial erstellt und verteilt werden. Zudem hat die Stadtverwaltung Schulungen für das Lehrpersonal organisiert und durchgeführt.

Mobile Endgeräte für die Schulen

Insgesamt 663 mobile Endgeräte (Tablets) inklusive Zubehör (Lizenzen, Hüllen) für insgesamt rund 260 000 Euro wurden beschafft: Für die Schüler*innen konnten die mobilen Endgeräte bereits Ende letzten Jahres ausgegeben werden – für die Lehrkräfte Anfang dieses Jahres. Zuvor wurden die Geräte von der Stadtverwaltung noch entsprechend konfiguriert. Finanziert wurde das Ganze aus dem Sofortausstattungsprogramm des Landes, wobei die Stadt einen Eigenanteil in Höhe von 26 000 Euro übernommen hat. Aktuell beschafft die Stadt gerade aus städtischen Mitteln in Höhe von 18 215 Euro so genannte „Pencils“ – auf Deutsch: Eingabestifte – für die Tablets der Lehrkräfte.

TEPK (Technisch-Pädagogische Einsatzkonzepte)

Ende des letzten Jahres begann die Entwicklung eines so genannten „Technisch-Pädagogischen-Einsatzkonzeptes“ – unter Beteiligung einer externen Firma und den Schulen, das Voraussetzung für die Beantragung von Mitteln aus dem „DigitalPakt Schule“ ist. Für die Grundschulen sind diese TEPKs bereits fertig gestellt und befinden sich zurzeit in der letzten Abstimmung. Umsetzung inklusive Fördermittelabruf ist für das 1. Halbjahr 2021 geplant. Die Erstellung der TEPKs für die beiden weiterführenden Schulen ist am 25. Januar beauftragt worden und soll spätestens im Laufe des 2. Halbjahres abgeschlossen sein.

Neue Präsentationstechnik

Da die strukturierte Verkabelung und die TEPKs stehen, kann der nächste Schritt der Digitalisierung gegangen werden: moderne Präsentationstechnik in den Klassenräumen. Aktuell haben sich zwei Lösungen herauskristallisiert: Entweder es gibt eine interaktive Lösung mit einem Nahdistanz-Beamer und einer Whiteboard-Tafel oder aber eine reine Beamer-Lösung mit großer Whiteboard Präsentationsfläche. Die Interaktivität wird in diesem Fall über die mobilen Geräte – also Tablets – realisiert. Gesamtvolumen der Maßnahmen (inklusive mobiler Endgeräte): 850.000 Euro. Finanziert wird dies aus dem „DigitalPakt Schule“ des Landes NRW.

Breitbandanschluss

Soll die Digitalisierung an den Schulen klappen, muss ein Breitbandanschluss her. Langfristig heißt das nicht nur 100mbit/s, sondern 300mbit/s. Aktuell verfügen alle Grundschulen über den erforderlichen Breitbandanschluss. Das Schulzentrum ist aktuell noch am schlechtesten angebunden, soll aber noch in ersten Halbjahr 2021 einen Glasfaseranschluss im Rahmen des Breitbandausbaus erhalten (Bundesmittel).

Externe Vergabe des Supports

Da der hier beschriebene digitale Ausbau vom Volumen her die städtische IT zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen bringt, soll der tägliche Support noch in diesem Jahr extern vergeben werden. Die entsprechende Ausschreibung läuft. Die jährlichen Kosten werden auf einen mittleren fünfstelligen Betrag taxiert. Zwischenzeitlich wurden am 15. Februar die seitens des Landes angekündigten Förderrichtlinien „Support“ übersandt. Inwieweit hieraus Fördermittel akquiriert werden können, wird zurzeit geprüft.  Bis dahin erfolgt die Finanzierung zunächst aus städtischen Mitteln.