Willich: Wie geht es mit der Schiefbahner Nordumgehung weiter?

Foto: Screenshot Plan Stadt Willich

Das Thema „Nordumgehung Schiefbahn“ wird seit Jahren diskutiert – politisch, aber eben auch in der Bürgerschaft. Die Ziele sind klar: Besserer Verkehrsfluss, eine Umgehungsstraße soll den Ortskern entlasten, den Durchgangsverkehr um Schiefbahn herum lenken.

Die passende Machbarkeitsstudie einer externen Ingenieurgesellschaft wurde dem Planungsausschuss schon 2016 vorgestellt, zuletzt wurde die Nordumgehung im Planungsausschuss im März 2021 thematisiert; die Fraktionen einigten sich darauf, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, um die Bevölkerung zunächst nochmals über die Hintergründe der Umgehungsstraße zu informieren.  Danach soll das Thema im Planungsausschusses im Juni erneut diskutiert werden.

Die Machbarkeitsstudie kommt im Wesentlichen zum Ergebnis, dass der Durchgangsverkehr ohne Bezug zu Schiefbahn auf der Achse Albert-Oetker-Straße / Hochstraße bei höchstens zehn Prozent liegt – 90 Prozent des Verkehrs haben also einen direkten Bezug zu Schiefbahn. Eine reine nördliche Umgehungsstraße brächte folglich nur eine geringe Entlastung für Schiefbahn – bei prognostizierten Kosten von mindestens 8,14 Millionen Euro. Diese Variante der Nordumgehung wird daher als nicht wirtschaftlich angesehen.

Um den Nutzen der Umgehungsstraße zu erhöhen, muss die Anzahl an täglichen Fahrten auf dieser steigen –  was durch zusätzliche Anschlüsse an das Straßennetz erfolgen könnte. Dazu zeigt die Studie verschiedene Varianten, die bestehende und neue Wohngebiete an die Umgehungstraße anschließt. Die Entlastung des Ortskerns steigt zwar, bleibt jedoch auf niedrigem Niveau. Zusammengefasst kommt die Studie zu dem Fazit, dass die Kombination aus der Anbindung bestehender und neuer Wohngebiete die Wirtschaftlichkeit der Nordumgehung unter Umständen erreichen könnte, ohne zusätzliche Wohnbauentwicklung die Umgehungsstraße aber nicht zweckmäßig ist. Demnach ist die Wirtschaftlichkeit der Nordumgehung in jedem Fall äußerst fragwürdig, das Erreichen höherer Nutzerzahlen belastet das Nebennetz und die reine Entlastung des Ortskerns ist als gering zu bewerten.

Zusammenfassend rechnet sich laut Studie eine Nordumgehung für Schiefbahn nicht, weil nur eine absolute Minderheit der jetzigen Verkehre auf diese verlagert werden würde; eine ausschlaggebende Entlastung des Ortskerns kann damit laut Studie nicht erreicht werden. Damit die Kosten vertretbar sind, müssten deutlich mehr Personen die Straße nutzen.

Dafür müssten die nördlich gelegenen und neue Wohngebiete an die Nordumgehung angeschlossen werden, wodurch die Straßen der Wohngebiete merkbar zusätzlich belastet würden.

Außerdem müssen Aspekte wie ökologische Folgen in den Abwägungsprozess in Sachen Nordumgehung einfließen. Generell ist die Entscheidung zu einer Realisierung der Nordumgehung mit weiteren Maßnahmen in Schiefbahn verknüpft.

In allen Varianten würde die Nordumgehung an den Knotenpunkt Willicher Straße und L 382 (Korschenbroicher Straße) angeschlossen werden. Der Knotenpunkt wird derzeit als Kreisverkehr umgeplant (mit dem Landesbetriebs Straßenbau NRW als Baulastträger der L 382). Für die Umgestaltung eines Knotenpunktes muss dessen Leistungsfähigkeit ermittelt werden. Da die Nordumgehung im Flächennutzungsplan der Stadt dargestellt wird, muss diese in die Berechnung mit einfließen. Unter Beibehaltung der Trasse der Nordumgehung muss die Variante der Studie mit der höchsten Belastung als Grundlage genommen werden. Unter diesen Umständen ist die Leistungsfähigkeit des geplanten Kreisverkehres nicht nachweisbar und der Landesbetrieb kann der Umsetzung nicht zustimmen.

Das bedeutet, dass der Umbau des Knotenpunktes derzeit pausiert. Wenn die Nordumgehung nicht gebaut wird, kann der Kreisverkehr errichtet werden.

„Als Folge der Erkenntnisse der Studie empfiehlt die Verwaltung von der Umsetzung der Nordumgehung abzusehen und den Flächennutzungsplan entsprechend zu ändern“, so Willichs Verkehrsplaner Tim Orth, der Fragen oder Anmerkungen zum Thema ab sofort und bis zum 13. Mai gerne entgegen nimmt (Tim Orth, 0 21 56 – 949 272, tim.orth@stadt-willich.de).

Der Planungsausschuss wird das Thema in seiner Sitzung am 15. Juni erneut beraten. Weitere Infos, Pläne,  Unterlagen und die Machbarkeitsstudie selbst sind auf der städtischen Internetseite zu finden. Aktuell gibt es einen Aushang zum Thema im technischen Rathaus und im Schaukasten des Stadtteilbüros Schiefbahn.