Projekt „Lebensraumverbesserung“ hilft Wildtieren und Insekten in der Agrarlandschaft

v.l.: Jens Lübben (FlächenAgentur Rheinland), Marc Bonus, Hans Wilhelm Lynders und Martin Lütters (Landwirte), Dr. Claudia Stommel (Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung), Dr. Jörg Wein- mann, Bürgermeister Karl-Heinz Wassong. Foto: Gemeinde Niederkrüchten

In Niederkrüchten wurde im vergangenen Jahr ein Projekt zur Verbesserung des Lebensraumes für Wildtiere und Insekten gestartet, das praktische Hilfe und Schutz sowie Erforschung der Bedeutung dieser Maßnahmen miteinander verbindet. In Zusammenarbeit mit neun Landwirten aus der Gemeinde wurden insgesamt 25 Flächen auf 65.000 Quadratmetern Blüh- und Schonflächen angelegt. Die Landwirte stellen dabei ihre Flächen im Rahmen von Agrarumweltprogrammen zur Verfügung. Nach Antragstellung und Bewilligung der Anträge durch die Landwirtschaftskammer konnten die entsprechenden Flächen festgelegt und teilweise schon im Herbst 2020 oder jetzt im Frühjahr eingesät werden. Im Rahmen der vor Ort genutzten Maßnahmenförderung verpflichten sich die Landwirte, Teile ihrer Flächen für mehrere Jahre als Blüh- und Schonflächen beizubehalten und die weiteren Auflagen des Programms zu erfüllen.

So dürfen die Flächen in dieser Zeit nicht gedüngt oder wirtschaftlich genutzt werden. Auch ist eine Mahd zwischen April und Juni grundsätzlich verboten, um die dort brütenden Vögel oder Jungtiere und Insekten zu schützen. Das Befahren und Betreten ist ebenfalls untersagt, um die Verbesserung des Lebensraumes in unserer Kulturlandschaft zu gewährleisten. Koordiniert wird das Projekt vor Ort ehrenamtlich durch Dr. Jörg Weinmann. Er ist als ortsansässiger Jäger und Revierinhaber Initiator des Projektes. Als gelernter Landwirt übernimmt er auch die Aussaat und Pflege der Flächen, wozu ihm Kreislandwirt Paul-Christian Küskens seine Maschinen zur Verfügung stellt. Das Projektgebiet erstreckt von Varbrook bis Elmpt sowie von Oberkrüchten bis zur niederländischen Grenze. Somit umfasst es drei Jagdreviere und etwa 400 Hektar Ackerfläche. Schilder an den Flächen informieren vorbeikommende Erholungssuchende über das Projekt.

Der Ackerbau im Projektgebiet ist gekennzeichnet durch intensiven Gemüseanbau sowie den Anbau von Kartoffeln und Mais. Wintergetreide und andere Winterfrüchte stellen die Ausnahme dar. Ziel des Projektes ist es, einen Verbund an Flächen zur Verbesserung der Biodiversität in einem intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiet anzulegen. Die Blühflächen bieten Lebensraum für verschiedene Tiere wie Feldhasen, Feldvögel und zahlreiche Insekten sowie eine Deckung vor allem in der vegetationsarmen Zeit. Der Feldhase ist hier eine wichtige Leitart für die Agrarlandschaft. Wichtig für ein solches Projekt ist die wissenschaftliche Unterstützung. Diese erfährt das Projekt von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Bonn. Frau Dr. Claudia Stommel leitet und koordiniert das kontinuierliche Monitoring – unter anderem die Zählung der Feldhasen und Vegetationsaufnahmen, mit denen die Maßnahmen begleitet werden. Unterstützung erfährt das Projekt fachlich auch durch die Landwirtschaftskammer NRW und in der Administration durch die Flächen Agentur Rheinland GmbH.

Die noch zusätzlich anfallenden Kosten, beispielsweise für Saatgut, Maschinen und Beschilderung, werden durch die Gemeinde Niederkrüchten, die Biotopschutz Stiftung des Landesjagdverbandes NRW, die Revierinhaber vor Ort und die Bayer CropScience Deutschland GmbH übernommen.