Hauptschule Kaldenkirchen ist jetzt Vergangenheit

Mit Schokolade als Nervennahrung und Blumen verabschiedet Bürgermeister Christian Küsters (rechts) Schulleitung und Kollegium der Hauptschule Kaldenkirchen (von links): Lehrerin Brigitte Brandt-Tuma, Lehrerin Nicola Münter, Lehrerin Barbara Künstler, Schulleiterin Jutta Weidemann-Tigges, Lehrer Wilfried Roche, Hausmeister Benjamin Lentz, Lehrerin Uta Reimann, Lehrer Detlef Tiegs, Schulsekretärin Rita Klaps. Foto: Stadt Nettetal

„Das Angebot Hauptschule fehlt Nettetal bereits heute.“ Bürgermeister Christian Küsters fand die richtigen Worte bei der offiziellen Schließung der Städtischen Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen. Rund 50 Vertreter aus Politik und Verwaltung, Lehrerschaft, Mitarbeitenden, Eltern, Schülern und Freunden hatten sich auf dem Schulhof zu diesem Anlass eingefunden. Darunter auch Rita Klaps aus Leuth, die 42 Jahre lang Schulsekretärin an dieser Einrichtung war.

„Es ist ein besonderer Tag. Bei uns herrschen Trauer und Unverständnis über die Auflösung“, sagte die Schulleiterin Jutta Weidemann-Tigges. Die Pädagogin, die jetzt mit zwei weiteren Kollegen zur Hauptschule nach Waldniel wechseln wird, kam 2017 nach Kaldenkirchen. Da stand laut Beschluss der Bezirksregierung bereits seit einem Jahr fest, dass die Hauptschule an der Buschstraße keine Zukunft mehr hat und auslaufen soll. Seitdem ging es sukzessive runter auf zuletzt 40 Schüler. Die letzte verbleibende Klasse hat am 18. Juni bei der Entlassfeier ihre Abschlusszeugnisse bekommen.

Nun ist ein 112 Jahre währendes Kapitel für Kaldenkirchen zu Ende geschrieben. Am 24. Mai 1909 ging die Einrichtung als katholische Volksschule an den Start. 1969 wurde aus der Volksschule eine Hauptschule. Mit 350 Schülerinnen und Schülern bei einer Klassenstärke von teilweise über 40 ging es los. Damals, im dreizügigen Modell mit Realschule und Gymnasium, hatte die Hauptschule noch einen guten Ruf. Nach 52 Jahren sieht das ganz anders aus.

Bürgermeister Küsters bemerkte, dass der demographische Wandel und die schlechten Noten der Eltern für diese Schulform ausschlaggebend für das Aus gewesen sind – weniger die guten pädagogischen Konzepte. Bereits vor Kaldenkirchen haben in Nettetal die Hauptschulen in Hinsbeck und im Jahr 2014 in Lobberich ihre Pforten geschlossen. „Umso wertvoller“, bemerkte Küsters, „ist der Beitrag für unsere Gesellschaft, der hier geleistet worden ist.“

So sah es auch die Schulleiterin. Bei allem Frust über die „nicht nachvollziehbare Entscheidung zur Schließung“ dürfe man dies nicht als Stachel mittragen, sondern „als Schatz für unser Leben“. Prägend für den Geist an der Hauptschule Kaldenkirchen sei der Teamgeist, das gegenseitige Vertrauen, der Respekt und die „ehrliche Freundlichkeit“. Hier schloss Jutta Weidemann-Tigges ausdrücklich die Schülerinnen und Schüler mit ein.

Die Schulleiterin bedankte sich bei der Stadt Nettetal für die stete Unterstützung und die unkomplizierte Zusammenarbeit. Viel ermöglicht für die Schülerinnen und Schüler habe auch der Nettetaler Lions Club durch seine vielfältigen Hilfen. Der Nettetaler Politik warf die Schulleiterin vor, sich nicht entschieden gegen den Beschluss der Bezirksregierung gestemmt zu haben: „Mit der Auflösung dieser Schulform werden Sie keine Probleme lösen.“ Allen rief Jutta Weidemann-Tigges am Ende zu: „Es war schön mit euch, vielen Dank.“