Nettetal: Paniermehl made in Breyell

Michael Wiesner (hinten) erläutert (v. l.) Stadtkämmerer Norbert Müller, Wulla Malliaridou und Bürgermeister Christian Küsters den vollautomatisierten und überwachten Paniermehl-Produktionsprozess. Foto: Stadt Nettetal

Eigentlich müsste das ein Fall für das Guinness Buch der Rekorde sein: ein 125 langes und vier Meter breites Brot. Ein Teig in dieser Größenordnung wird quasi in einer Endlosschleife rund um die Uhr bei der Firma BRATA in Breyell gebacken – um direkt danach zerkleinert und zu Paniermehl verarbeitet zu werden.

Nach einem ersten Probebetrieb läuft die Paniermehlproduktion an dem neuen Standort an der Dülkener Straße seit einigen Monaten im Vollbetrieb. Und da keine große Eröffnungsfeier möglich war, führten die beiden Geschäftsführer, Michael Wiesner und Stephan Piehler, jetzt eine kleine Delegation der Stadt unter Führung von Bürgermeister Christian Küsters durch die neue Produktionsanlage. „Wir haben 45 Millionen Euro in unseren neuen Standort in Nettetal investiert und produzieren hier künftig gut 25.000 Tonnen Paniermehl pro Jahr“, erläutert Wiesner, der sich besonders für die gute Unterstützung der Stadt bedankte. Zusammen mit dem Stammwerk in Neuss ist BRATA damit einer der größten Paniermehl-Produzenten in Europa. Mehr als 300 verschiedene Paniermehle und Mischungen werden an Kunden aus der Industrie geliefert. Je nach Kundenwunsch variieren die Rezepturen in Farbe, Körnungsgrößen und Knusprigkeit. Insgesamt 60 Prozent davon gehen in den Export. Die Abnehmer kommen aus der ganzen Welt, Europa, Russland, Iran, Irak, Südamerika und auch aus dem arabischen Raum. Produziert werden damit Convenience-Lebensmittel wie Fischstäbchen, Geflügel-Nuggets, Frikadellen, Schnitzel, Käse, Gemüse, Apfelstrudel oder auch Dönerspieße. Vor allem die Tiefkühlprodukte kommen von namhaften Herstellern und sind in fast jedem Haushalt zu finden. „Convenience-Produkte werden immer besser und beliebter. Aktuell spüren wir einen Trend zum fleischlosen Produkt“, stellt Piehler fest.

Dabei ist die Grundrezeptur eigentlich ganz einfach: Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Gewürze werden benötigt, allerdings in anderen Größenordnungen als zuhause. Die Zutaten werden gemischt, geknetet, zu Teig verarbeitet, bei 250 Grad 40 Minuten lang gebacken, zerkleinert, mit Dampf getrocknet und dann in die benötigte Körnung gesiebt und gemahlen. Der gesamte Prozess dauert etwa zwei Stunden. Das fertige Paniermehl wird in Säcken (zehn bis 25 Kilo) und Big-Bags (bis 1000 Kilo) verpackt oder gleich im Silo-LKW ausgeliefert. Alles erfolgt nahezu vollautomatisch und unter ständiger Qualitätskontrolle. Bürgermeister Christian Küsters war von der hochmodernen Anlage beeindruckt: „Hier werden unter Einhaltung strengster Hygienevorschriften hochwertige Lebensmittel für den Weltmarkt produziert. Leerfahrten werden erfreulicherweise durch Logistikkooperationen vermieden, zudem kommen die Rohstoffe aus der Region.“

BRATA ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Michael Wiesners Großvater begann 1953 an den Erprather Mühlen mit 40 Gramm Klotzbodenbeuteln. Auf dem von der Stadt verkauften Grundstück kann die Firma künftig noch weiterwachsen. Als nächstes sind die Verlagerung der Mischerei und ein neues Lager geplant. www.brata.de