Nachhaltigkeitsprojekt: Neues Leben für alte Reifen

Bei der Runderneuerung wird das Laufflächengummi vom Unterbau abgefahrener Reifen entfernt und eine neue Laufflächenmischung aufgetragen – danach sind sie wieder wie neu. Foto: Bandag

Die Anforderungen an die nachhaltige Entsorgung von Altreifen wächst immer weiter an. Dabei handelt es sich um wertvolle Rohstoffe. Seit 2020 engagiert sich das Netzwerk Allianz Zukunft Reifen (AzuR) für die fachgerechte und nachhaltige Verwertung von Altreifen. Das Netzwerk unter der Leitung der Willicher Unternehmerin Christina Guth will das Image runderneuerter Altreifen verbessern und somit einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz leisten. Dafür gibt es jetzt auch Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie fördert das AZuR-Projekt „Ökologische und ökonomische Bilanzierung der Runderneuerung von Fahrzeugaltreifen“ fachlich und finanziell mit rund 91.000 Euro.

Der Fördermittelberater der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Viersen, Armin Möller, zeigt sich erfreut über diesen Zuschuss für das Nachhaltigkeitsprojekt „made in Kreis Viersen“: „Die Bewilligung eines Zuschusses in dieser Größenordnung unterstreicht die Innovationskraft der Unternehmen im Kreis Viersen sowie den allgemeinen Anspruch zur Förderung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.“ Im Vorfeld des Projektanlaufs hatten die WFG Kreis Viersen und Christina Guth verschiedene Fördermöglichkeiten für dieses Vorhaben ausgelotet.

Die Menge der zu verwertenden Reifen liegt allein in Deutschland bei etwa 600.000 Tonnen pro Jahr (Europa 3,4 Millionen Tonnen). Der Markt für das Altreifen-Recycling befindet sich im Umbruch. Auf Deponien dürfen sie schon lange nicht mehr gelagert werden. In der Vergangenheit wurde ein Großteil der Altreifen in Zementwerken als Ersatzbrennstoff eingesetzt. Dieser Anteil sinkt von Jahr zu Jahr. Eine Alternative gibt es: Runderneuerung macht alte Reifen wieder fit. Bei Nutzfahrzeugen macht die Runderneuerung der Reifen bereits etwa ein Drittel des Marktes aus. Bei Pkw kommt sie dagegen fast gar nicht vor. „Das liegt daran, dass viele Menschen unsicher sind, wenn es um runderneuerte Reifen geht“, sagt Projektleiterin Christina Guth (CGW GmbH Willich). „Wenn sich die Quote erhöht, könnte man große Mengen Rohöl, Gummi und Stahl einsparen. Die Reifen könnten für einen zweiten Lebenszyklus genutzt werden, und der Energieverbrauch und CO²-Ausstoß würden sinken.“

Das Netzwerk will mit wissenschaftlichen Fakten für mehr Klarheit sorgen, das Image der Altreifen verbessern und Lösungen für einen nachhaltigeren Umgang mit ihnen finden. Runderneuerte Reifen sollen Standard werden; sie schonen natürliche Ressourcen, benötigen weniger Energie bei der Herstellung und sind qualitativ mit Neureifen vergleichbar. Deshalb unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Vorhaben im Rahmen ihrer Förderinitiative zur Circular Economy, einer umfassenden Kreislaufwirtschaft. Ziel: Es soll ein Öko- und Qualitätslabel für runderneuerte Reifen entstehen. Seinen Ursprung genommen hätte es dann im Kreis Viersen.